Kindertage

Die schönsten Kindheitserinnerungen die ich habe,sind die an meine Ferien bei den Großeltern.
Immer Zeit für mich im Überfluß besitzend,spazierte mein Großvater mit mir durch die Wälder.Wir sammelten Buschwindröschen und meine Großmutter konnte sich vor Blumensträußen kaum retten.War deren Zeit abgelaufen,schwelgten wir im Duft der Maiglöckchen.Komm, wir gehen in die Schaukelchen rief mein Großvater und wir marschierten in den Buchenwald.Hier sind sie besonders häufig anzuftreffen,lehrte er mich.Nach den duftenden Glöckchen suchend,teilte ich die Blätter.Viele waren leer.Keine Blüten,nichts.Ach Kind,das ist der Bärlauch.Lass ihn stehen,den wollen wir nicht.In den 60zigern war den Großvätern egal,ob Maiglöckchen giftig sind und unter Naturschutz stehen.Das Kind muß doch Blumen sammeln.Den Bärlauch,wohlschmeckend wie er mir heute ist,mochte der Großvater nicht.Er liebte Süßes.Kamen wir,die Hände voller Blumen freudestrahlend heim,hatte meine Großmutter schon einen Kuchen für uns parat.Manchmal buk sie aus Brandteig kleine Säckchen,die sie mit Sahne füllte.Niemals wieder habe ich köstlichere Windbeutel gegessen.
Im Herbst, wir sammelten keine Pilze,die liessen meinen Großvater völlig kalt,ging’s in die Rußbutten.Was stellten wir nicht alles an,um trockenen Fußes an die Schilfblüten zu kommen.Keine Frage,dass die Füsse trotzdem nass wurden.Das war nicht schlimm.Wieder daheim füllte die Großmutter heisses Wasser in eine Schüssel.Komm,mach ein Fussbad.Du wirst dich sonst erkälten.Wohlig zog die Wärme durch den durchfrorenen Körper.Von den Füssen hinauf direkt ins Herz.Keiner wäre damals auf die Idee gekommen,kalter Füsse wegen,ein Bad zu nehmen.Musste doch erst der Badeofen dafür geheizt werden.Es hat mir nicht gefehlt, das Bad.Die Füsse wurden auch in der Schüssel warm.Und noch wärmer wurde mir in der Nähe meiner geliebten Großmutter.Ach, konnte die Lieder singen.Und ich hörte ihr so gerne zu.Immer wieder,so oft ich mochte,sang sie mir das gewünschte Lied.Bis heute vergeht kein Tag,an dem ich nicht eines davon singe.Meine Neigung zu deutschen Volksliedern hat ihre Wurzeln in jenen frühen Tagen.Später als ich grösser wurde,änderten sich meine Wünsche und ich verbrachte meine Zeit lieber allein oder mit Freunden im Wald und an der geliebten Bach.In noch späteren Jahren vergass ich diese Zeit sogar vorrübergehend ganz.Dabei war sie unwiederbringlich leicht,die Zeit meiner Kindheit bei den Großeltern. Tage voller Liebe,Freude und Glück.

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8 Gedanken zu „Kindertage

  1. finbarsgift

    …wie schön sich das liest, geschrieben auch jetzt noch voll mit diesem Glück, das du damals erleben durftest — ein Geschenk für die Ewigkeit…

    Antwort

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