Badewonnen

Heimkommen.
Im Sommer verschwitzt, im Winter durchgefroren. Eine Bus-und Bahnbenutzerin wie ich, ist im Lauf der Jahre daran gewöhnt , mit den Unbilden des Wetters zu leben.Es hat auch sein Gutes.Wozu,  frage ich mich oft , brauchen Autofahrer Schirm,Schal und Stiefel?Vergessen sich nicht die Jahreszeiten mit ihren wechselnden Wetterkapriolen in den blechernen Karossen.
An manchen Tagen beneide ich die im Sicheren Sitzenden sehr.Sie tragen ihr Gehäuse bei sich.Immer da, immer geschützt direkt bis zur Eingangstür.
Dagegen ich.
35 Grad im Schatten und nirgendwo die
Hoffnung auf Kühle. Da ich im Grünen leben möchte,brauche ich 30 Auto- Minuten um in die Stadt zur Arbeit zu kommen.
Keine Frage,eine gute Entscheidung.
Daran zweifle ich gelegentlich,wenn der Überlandbus mal wieder keine Klimaanlage hat und die geöffneten Dachluken nur Zugluft vermischt mit 4711 – und Schweißgeruch durch den Bus wehen lassen.
Das Gegenteil im Winter. Bibbernd vor Kälte springe ich von einem Bein auf’s andere, um Erfrierungen vorzubeugen.Hier bei uns im Vorerzgebirge wird’s eisig. Und immer haben die Busse im Winter Verspätung.Immer.Sitze ich endlich drin,weiß ich vor Hitze nicht, wohin mit den dicken Wollsachen und hole mir auf dem folgenden 20minütigen Heimweg zu Fuß garantiert eine Erkältung.
Das Einzige ,was meinen Überlebenswillen aufrecht erhält,ist der Gedanke an ein Bad. Sofort nach der Heimkehr in mein Reich.
Der Gärtnergatte weiss darum.
Vor einigen Jahren hat er mir deshalb mein Paradies im Paradies gebaut. Die Badewanne ist in den Fußboden eingelassen und somit habe ich die direkte Aussicht auf meinen Garten.
Sommer’s sind die Blumen – fast zum Fenster hereinwachsend – das, was mich beruhigt und neben dem Bad auch erfrischt.
Winter’s steht das Vogelhäuschen direkt im Blickwinkel und ich kann dem Geflatter zuschauen,während ich im duftenden,warmen Wasser Leib und Seele entspanne.
Radio oder Fernsehen in der Wanne brauche ich nicht.Ich singe selbst.Alles was gefällt.Und damit fällt manche Last von mir ab.Singt sich davon,rutscht ins Wasser und ward nicht mehr gesehen.
Ein Seelenbader sei ich,meint der Gärtnergatte und hat damit wohl Recht.
Heimkommen.
Ein Bad nehmen und entspannt sein.
Ein Glück,dass ich mit Bus und Bahn fahre.Was würde mir sonst den Grund für meine Badeleidenschaft bieten.
Und nicht ohne Grund ist mein Badfenster das Schönste von allen.

image

Ich bin dann mal in der Badewanne.

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6 Gedanken zu „Badewonnen

  1. Andrea

    das frage ich mich ALLerdings auch…….nur fahre ich kein AUTO dann erübrigt sich so eine FRAGE wohl??Hab einen guten TAG….HERZlichst ANDREA:))

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  2. magguieme

    Über die Badewanne habe ich dich kennengelernt, darum freue ich mich besonders, heute wieder einmal davon zu lesen. Eine Seelenbaderin, wahrlich, das bist du. Alles Liebe!

    Antwort
  3. kaetheknobloch

    Wasser. Ursprung. Da, wo wir uns lebendig fühlen und heimkommend. Kleine Heimaten im eigenen Zuhause verankert. Weil uns die Hingabe in der Natur viel zu oft verwehrt. Seelenbaderin, ja, es paßt bonfortionös zu Ihnen. Herzlichst, Ihre Frau Knobloch, zugetan.

    Antwort

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