Hans und die Bohnenranke oder Pilzbohnen mit Lamm

Das englische Märchen erzählt die Geschichte vom einfältigen Hans, der einer Bohnenranke sein Glück verdankt.  Einfältigkeit ist in vielen Märchen der Schlüssel zum Glück, für mich steht sie für die Reinheit der Seele. Ein offenes, einfaches Gemüt ist das wahre Königtum, und führt im Märchen zur sinnbildlich Hochzeit des Helden mit einer Königstochter. Weisheit und Liebe sind das Ziel eines Märchens, der individuelle Achter und Bewahrer der Gefühle des Anderen steht über dem selbstverliebten Prahlhans, Gutsein siegt über das Böse.
Ein ganz klein wenig erinnert mich dieses 1807 entstandene Märchen an „Hans im Glück“ der Gebrüder Grimm.
Obwohl, dieser erhielt das Gold für seine Arbeit und tauschte es dann.
Der Bohnenhans tauscht letzten Besitz, eine Kuh, gegen 5 armselige Bohnen ein, seine Mutter wirft sie vor Ärger aus dem Fenster und das Märchen kann beginnen seinen ganzen Zauber zu entfalten.
Lest es selbst, wenn ihr mögt, ein Link ist über dem Artikel zu finden.
Bohnen sind eins meiner Lieblingsgemüse, reich an gesättigten und ungesättigten Fettsäuren und zudem an einer großen Vielfalt von Vitaminen sind sie gesund und auf vielerlei Arten zu bereiten.
Unsere Lieblingsart sind Pilzbohnen.
Reichert man das hier vorgestellte Gericht mit Schinkenspeck an, ist es eine eigenständige Mahlzeit zu der ein frisches, dunkles Brot sehr gut schmeckt.

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Sonst braucht man nur junge, zarte Bohnen und eine große Menge Zwiebeln nach eigenen Ermessen.
Die Zwiebeln werden grob geschnitten und in Butter angebraten.
Ich muss fürchterlich weinen. Manchmal vermute ich, nur wegen meines häufigen Zwiebel schneidens leide ich so selten unter Erkältungen. Die ätherischen Öle der Zwiebeln lassen meine Tränen fließen und reinigen so alle Gänge und Gängchen und Bakterien finden nie richtig Halt in den durchgespülten Kanälen meines Atemsystems.
Zurück zum Essen.
Die Zwiebeln brate ich in Butter an,

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salze und pfeffere sie kräftig, es muss für die Bohnen mit reichen und diese vertragen einiges an Gewürzen.
Sie kommen dann auch dazu, vorher geputzt und blanchiert natürlich.

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So schön grün bleiben sie leider nicht, die Bohnen werden scharf angebraten und dürfen leicht angeröstet sein, so schmecken sie am Besten.

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Am Ende kann kräftig Petersilie darüber gestreut werden, dann sind sie wieder etwas grüner und die frischen Kräuter schmecken sehr gut darin.
„Fee – fi -fo – fum, ich rieche Menschenfleisch“ ruft der Riese im Märchen. Davon kann hier nicht die Rede sein, der Gärtnergatte ist im Garten und ich rieche nach Zwiebeln.
Nach Lammfleisch riecht es bei mir. Zu den Pilzbohnen gibt es heute Lammlachse und Kartoffelklöße.
Über die Zubereitung der Klöße berichte ich ein anderes Mal, der Winter wird noch lang.
Zurück zum Lamm.

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Die Lammlachse salze und und pfeffere  ich, nachdem ich sie gewaschen habe.
Mein geliebter Rosmarinbusch schenkt mir einen seiner Zweige.

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Er duftet, dass es eine Freude ist.
Gemeinsam mit reichlich Knoblauch gebe ich ihn in eine Pfanne mit Butterschmalz und lasse das Bratfett langsam den Geschmack von beidem annehmen.

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Dann kommt das Lamm hinzu und wird nach vorsichtigem Anbraten ca. 15 – 20 Minuten sanft gegart. Wir essen das Fleisch gut durchgebraten. Bei schonender Zubereitung bleibt es trotzdem zart.

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Knusprig braun wird es noch werden.
Wenn Klöße und Bohnen fast fertig sind,  nehme ich das Fleisch aus der Pfanne und stelle es warm.
Den Rosmarin entferne ich und lösche den Bratensatz mit Rotwein ab.

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Reduzieren lassen und dann mit Butterflöckchen binden. Zum Schluß entferne ich den Knoblauch.
Nun kann aufgetischt werden.

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Ich habe zwar keine goldene Harfe wie Hans im Märchen, aber ruhige Musik zum Essen finde ich angenehm.
Heute sind es leise Lieder der 80ziger Jahre, unserer wilden Jugendzeit, die wir zum Sonntagsessen hören.
Märchenhaft!

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44 Gedanken zu „Hans und die Bohnenranke oder Pilzbohnen mit Lamm

  1. Myriade

    Mit „Einfältigkeit“ verbinde ich nicht so Positives aber der Rosmarinzweig im Öl bevor das Fleisch hinein kommt, fällt ja in die Kategorie „genial“ !
    Das ist ein interessantes Thema, die Einfältigkeit. Was genau ist das ? Der Mangel an Intelligenz, der Mangel an Bosheit, der Mangel an Schuld ? Auf verschlungenen Wegen, muss das etwas mit dem allgegenwärtigen Schuldkonzept im Christentum zu tun haben. Immerhin werden da ja Adam und Eva wegen der Erkenntnis von Gut und Böse aus dem Paradies vertrieben. Und es gibt den Begriff der Unschuld, der bei näherer Hinterfragung auch sehr zwiespältig ist.
    Aber hier geht es ja eigentlich um ein Kochrezept mit Lamm und Fisolen, das ausgesprochen köstlich aussieht ! Vielen Dank für deine Foto-Koch-Anleitungen, ich habe mich schon mehrmals inspirieren lassen ❤

    Antwort
    1. arabella50 Autor

      Mit dem Schuldgefühl das die christliche Religion verbreitet, die eine Paulinistische ist, wie ich beim Herrn SalvaVenia lernte, hat das gewiss zu tun.
      Nimm doch Parzival als Beispiel.
      Im Märchen, finde ich jedoch, ist es Ausdruck von Achtung des anders gearteten.
      Das Essen hat gut geschmeckt, Pilzbohnen gibt es zu dieser Jahreszeit bei uns oft.
      Ich warte noch immer auf den Moment „Tanz mit dem Leben“ für dein Foto.
      Er kommt bestimmt.
      Ganz herzliche Grüße an dich.

      Antwort
      1. Myriade

        An Parzival habe ich auch gedacht. Der wurde ja weit weg „von der Welt“ erzogen mit Betonung auf Herzensbildung und trotzdem ist er – zumindest beim ersten Versuch – daran gescheitert, dass er die mitfühlende Frage nicht gestellt hat. Woran er aber hätte erkennen können, dass er die Frage stellen sollte und dass es nicht feinfühliger war, sie nicht zu stellen ? Das ist ja eine Situation, die einem immer wieder begegnet ….

        Die Achtung des anders gearteten ist aus meiner Sicht eine so schöne, wünschenswerte Eigenschaft, dass ich sie ungern mit „Einfältigkeit“ assoziere. Aber, nachdem sie hier nun mal so bezeichnet wird, nehme ich das halt …..ungern aber doch 😀

        Wieso heißt dieses Gericht eigentlich Pilzbohnen ? Wo sind die Pilze ? Oder heißt es vielleicht gerade deswegen so, weil keine Pilze dabei sind ? Ich habe heute einen besonders neugierigen Tag 🙂

        Freu mich schon auf weitere Fotos von dir!
        Liebe Grüße

      2. arabella50 Autor

        Hm, das Stellen der Frage ohne das Wissen darum hat für mich wieder etwas mit Gottessegen zu tun, der nun eben nur Auserwählte trifft. Warum das so ist, weiß nur Gott.
        Pilzbohnen heißen so, weil auf diese Art in Sachsen sonst Pilze zubereitet werden.
        Wenn’s keine Pilze gibt, nimmt man eben Bohnen. Mit Pilzen mag ich dieses Gericht nicht, ist mir zu „schlierig“.
        Uhij, hab ich jetzt was vergessen?;-)

      3. arabella50 Autor

        Hach, ich und mein sächsisch.
        Schlierig bedeutet einen sämigen, feuchten Zustand der Zutaten. So mit Fäden ziehen wie bei einer schlierigen Schnecke, iiiiiiiiihhhhhhhh. 😀

      4. arabella50 Autor

        Strahlend ob des Lobes wende ich mich bettwärts, Träumen von Obers und Droschken im Hinnerschtübel (etwas sächsisch muss sein):-)

  2. keinbisschenleise

    Die Pilzbohnen habe ich früher von meinem verstorbenen Mann gelernt und ich hatte echt den Geschmack von Pilzen im Mund beim ersten probieren. Er sagte mir aber dann das Gleiche wie du liebe Arabella, sie sind der Ersatz, wenn man keine Pilze hat 😉

    Ich liebe sie und esse sie sehr gerne und auch oft !

    Dein Essen schaut wirklich märchenhaft aus und mir gefällt der Gedankensprung zum Hans mit der Bohnenranke 😉

    Liebes Abendgrüßle
    Uschi ❤

    Antwort
    1. arabella50 Autor

      Guten Abend,
      eigentlich suchte ich ein Gericht zu dem Märchen.;-) Nein, ganz so ist es nicht, aber Märchen füge ich gerne ein.
      Mir war überhaupt nicht bewusst, dass dieses Gericht wahrscheinlich nur in Sachsen so heißt.
      Mit Pilzen statt Bohnen mag ich es nicht.
      Frau Myriade hat deine Erklärung zum eingefügten Bild sicher gern gehört.
      Vielen Dank, dass du ihr so freundlich geholfen hast.
      Ich wünsche einen schönen Abend und grüße herzlich.

      Antwort
      1. keinbisschenleise

        Mit Pilzen kann ich mir Bohnen auch nicht vorstellen, schon der vielen Zwiebeln wegen, die dann sicher zu schlierisch werden.

        Danke dir, ich helfe doch gern 😉

        Auch dir einen schönen Abend und einen herzlieben Gruß zurück.

  3. martinakunze

    *schmatz…es duftet bis in den tiefen Westen hinein..“Göttergatte“ im Glück. Arabella im Glück. Leser dieses Blogs im Glück. Ein Gourmet-Märchen.
    Zwiebeln sind überhaupt der Geheimtipp, auch bei Husten. Zucker drüber, saften lassen und schon hat man den wirksamsten Hustensaft der Welt. hee.hee.. 🙂
    Mnnh…ich verspüre Appetit. Ist noch etwas da?

    Antwort
    1. arabella50 Autor

      Liebe Martina, gerade war ich bei dir schauen und schwups, bist du da.
      Fein.
      Zwiebelsaft ist der Geheimtrick seit langer Zeit. Es hat aber nur damit zu tun, dass die Lagermöglichkeiten für Frischobst früher spätestens Ende Januar aufgebraucht waren. Zwiebeln waren meist noch gelagert. Ihr hoher Vitamingehalt brachte die gewünschte Wirkung, das wusste damals so genau noch keiner, daher der Ratschlag Zwiebelsaft hilft gegen alles.

      Antwort
      1. martinakunze

        Interessant. Zwiebelsaft hilft gegen alles….super, wusste ich nicht. Wieder gelernt. Sehr gut, sehr gut..
        Ja, ich schmunzelte auch gerade, als dein Sternchen hier leuchtete…Ich war gerade bei dir. Rosmarin und Knödel und Lamm…..

      2. martinakunze

        hahahahahahahaha.
        Hilft also nicht gegen alles.
        Aber bei Ohrenschmerzen, Zwiebel auflegen.
        Und bei Husten, den Saft trinken.

        Was die richtigen Schwingungen fehlen?
        Einfach still hinsetzen (dunkle Schokolade in den Mund stopfen..hihihih…) und alle die Augen fortatmen, die dich zu beobachten scheinen…Genüsslich lächeln…

    1. arabella50 Autor

      Guten Morgen liebe Silberdistel, das freut mich sehr.
      Dann kann ich dir ein wenig von dem zurückgeben, was ich bei dir finde.
      Liebe Grüße in den Tag, Arabella

      Antwort
  4. Pingback: Kochgedanken oder Lammlachse | Teil 2 Einfach(es) Leben

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