Und vom ganzen Hühnerschmaus guckt nur noch ein Bein heraus – Teil 1

…so möchte ich beginnen,  obwohl das Bein auch nicht mehr heraus schaut, weil der Schmaus schon vor Tagen statt fand.
Unsere familiären Treffen finden in den Herbst-  und Wintermonaten nicht mehr wöchentlich statt. Es ist eine ruhigere Zeit.
Vor einigen Tagen, ich fand nicht eher Zeit zu berichten, trafen wir uns auf einen Abend mit gutem Essen.
Ein Fest ist es immer für uns alle zusammen zu sein, was sollte uns also hindern auch ein Festessen dazu zu bereiten. Der Gärtnergatte zaubert uns jedes Jahr,  zum Einläuten der Bratensaison sozusagen, ein Coq au Vin.
Ein französisches Nationalgericht, von dem es mindestens so viele Zubereitungsmöglichkeiten gibt wie von den berühmten Thüringer Klößen, die in Sachsen Grüne Klöße heißen.
Unsere Art der Zubereitung ist selbstverständlich die Köstlichste.
Hühnerfleisch an sich – um zum Thema zurück zu finden – war und ist eine Variante der ärmeren Leute, Fleisch in den Topf zu bekommen.
Schon Heinrich IV.sagte:“ Jeder Bauer sollte Sonntags sein Huhn im Topf haben“.
Zudem nimmt das zarte Hühnerfleisch besonders leicht die Gewürze und ihre Aromen auf.
Nun also kommt der Coq (Hahn) in den Topf.
Dazu brauchen wir für 6 Personen:

12 Hähnchenschenkel
36 Möhren mit Grün
500 g Champignons
500 g Schalotten
1 Knoblauchknolle
1 Bund glatte Petersilie
500 g Schinkenspeck
2 Flaschen Rotwein
1 kleines Fläschchen Hochprotzentiges
Salz
Pfeffer
Mehl
Thymian
Lorbeerblätter
Butterschmalz
Butter

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Die Möhren werden so geputzt, dass etwas vom Grün erhalten bleibt, sie sind mit das Beste an diesem Gericht und sollen besonders gut aussehen.
Der Schinkenspeck wird grob gewürfelt, die Schalotten geschält,  die Champignons sanft geputzt, das ist allen klar.
Was nicht so deutlich wird – auf den ersten Blick zu mindestens – ist, hier muss vor Chaos gewarnt werden.
Dieses Gericht ruft nach Küchenschlacht. Nach brutzeln und braten,  nach Fettspritzern und freiem, kreativen Kochen. ( Es ist der Gärtnergatte der kocht,  jawoll! )
Clever wie mein Gärtnergatte ist, verhindert er stundenlange Putzarbeiten meinerseits und kleidet die ganze Küche, wie schon einmal von euch gesehen, in Packpapier.

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Ein Künstler eben.
Darüber vergisst er nicht, die Zutaten bereit zu stellen und nun geht es los.

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Die Schalotten werden gemeinsam mit dem Schinkenspeck angebraten. Dabei die feinen Zwiebelchen nicht zu dunkel werden lassen.

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In einer anderen Pfanne werden die Hähnchenschenkel in Butterschmalz kräftig angebraten, nachdem sie mit Pfeffer und Salz gewürzt wurden.

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Dann werden sie mit Mehl bestäubt, dieses hilft sie besser bräunen zu lassen und bindet gleichzeitig später die Soße.
Alle angebratenen Hühnerbeine ziehen dann in die Pfanne um, die auch die weiteren Zutaten aufnimmt.
Nun kommt mein Schönstes.
Das Flambieren mit Hochprotzentigem.

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Ein Duft zieht durch den Raum, der leicht schwindelig macht. Das Fleisch wird dadurch besonders zart und schmackhaft.
Zu dem duftenden, noch leicht beschwipsten Hahn kommen nun die Schalotten und der Schinkenspeck. Alles noch mal anbraten und nun mit Rotwein ablöschen.

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Der viele Alkohol verfliegt während der langen Garzeit. Ein Glück, von dem Geruch bin ich schon beschwipst genug und blinzele dem Gärtnergatten zu. Der lässt sich jedoch nicht ablenken, sondern vervollkommnet das Gericht.
Nun kommen die Möhren in den Topf, der Thymian, der Knoblauch , Lorbeerblätter und die Petersilie dazu.

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Das ganze köstliche Mahl wird  abgedeckt und kocht mindestens 3 Stunden auf kleinster Famme vor sich hin.
Hier sind wir immer wieder froh, zwei zusätzliche Gasflammen zu besitzen.
Je länger, desto besser, je kleiner die Temperaturen beim Garen, um so größer der Genuß beim Essen.
In der Zwischenzeit kommen die Champignons in einen kleinen Extratopf werden in Butter gewendet und dann stellt der Gärtnergatte diesen geschlossenen Topf einfach auf die ebenfalls geschlossene Pfanne mit dem Hähnchenschenkeln und die Pilze garen so sanft vor sich hin, bis sie am Ende mit all den anderen Zutaten vereint werden.

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28 Gedanken zu „Und vom ganzen Hühnerschmaus guckt nur noch ein Bein heraus – Teil 1

  1. eckisoap

    ein wahres Festessen. 😀 Guten Morgen du liebe! hier gibt es rüherei. die Hühner legen wieder besser. und dann sitze ich im zug nach berlin.
    ein erbauliches Wochenende wünsche ich auch dir.

    Antwort
  2. Myriade

    Hmmmm *Wasser im Mund zusammenrinn* Coq au vin ! Köstlich. Wann erfindet endlich jemand die Bildschirme mit Geruchsfunktion !
    Also zwei Dinge sehe ich hier, die mir ganz neu sind: die Karotten (=Möhren) mit noch etwas Grün dran und die Packpapierabdeckung. Finde ich beides sehr originell 🙂

    Antwort
    1. arabella50 Autor

      Die Möhren gibt es nicht in jeder Variante. Sie sind für mich das Beste. So was von köstlich, namnam.
      Das Packpapier ist die geniale Idee des Gärtnergatten, so kann er nach Herzenslust „matschen“.
      Papier weg – alles geputzt – Gäste können kommen:-D

      Antwort
  3. S. Meerbothe

    Im ersten Augenblick dachte ich es gäbe „gesprengtes Huhn“ 🙂
    Du siehst ich kenne die sächsischen Vokabeln (stolz schwillt die Brust) 😀

    Endlich komm ich zum Lesen und dazu, Dir einen schönen Tag zu wünschen.

    Besser spät, als nie 🙂

    Liebe Grüße Silvia

    Antwort
      1. S. Meerbothe

        Kommt eine Rheinländerin nach Bloggistan, um den Sachsen das Sächseln beizubringen
        😀

        Is het net schön 🙂

        Hach, Lachen ist sooooo schön 🙂

    1. arabella50 Autor

      Darauf habe ich ein wenig gewartet.
      Naja, ich räume auch selber wieder auf.;-) Der Gärtnergatte mittlerweile auch.:-)
      Es lebe die Gleichberechtigung!:-D

      Antwort
  4. AnDi

    1. Wie schon mal geschrieben: Christo kann einpacken! Pah! Dem Vergleich kann er nicht Stand halten! 🙂

    2. Wir können es riechen! Ganz deutlich! Und der gute Geruch ist mit Sicherheit Schuld daran, dass uns das Wasser im Mund zusammen läuft!

    Antwort
  5. keinbisschenleise

    Gehört habe ich von diesem herrlichen Gericht * Coq au Vin schon öfter, aber es noch nie gegessen.

    Mir hast du jetzt richtig Lust darauf gemacht und es wäre mal eine Idee, meine Lieben einzuladen 😉

    Rezept werde ich mir mal stibitzen, man weiß ja nie *hihi

    Antwort
      1. keinbisschenleise

        Mir läuft jetzt schon das Wasser im Mund zusammen und ich lese grad den 2.Teil davon 😉

        Ja Liebes, ich habe mich gut ausgeschlafen von gestern zu heute und bin wieder fit !

        Grüßle und erst mal zu Ende lesen, gell

      2. arabella50 Autor

        Fein, ich war gerade bei dir schauen.
        Toll, was das für ein großartiges Fest war und ich hab noch nicht mal die Musik dazu gehört.
        😀 😀 😀 😀 😀

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