Alle Jahre wieder…

Das traditionelle Weihnachtsessen in unseren Breiten ist am Heiligabend sächsischer Kartoffelsalat und Bratwurst.
Am 1. Weihnachtsfeiertag gibt es dann Gans, Rotkohl und grüne Klöße.
Nur ein paar Kilometer weiter im Erzgebirge isst man am Heilig Abend „Neunerlei“ . Jedes der neun Gerichte steht für einen guten Wunsch.
Seitdem unsere Kinder erwachsen sind, ist das bei uns etwas anders.
Da unsere Tochter an den Feiertagen oft arbeitet, ist der Heiligabend unser intimstes Familienfest.
Unser großes Weihnachtsessen findet auch in diesem Jahr am Heiligabend statt.
Da unsere Schaukelinhaberin noch klein ist und entspannt mit uns den Abend geniessen soll, feiern wir in diesem Jahr zum ersten Mal den Heilig Abend im Haushalt unserer Tochter.
Am späten Nachmittag fahren wir alle gemeinsam in unsere nahe gelegene Heimatstadt und besuchen dort die Weihnachtsvesper.
Wir sind keine gläubigen Christen.
Die feierliche Atmosphäre und das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern in der evangelischen Kirche unseres kleinen Heimatstädtchens schätzen wir jedoch sehr.

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Es gibt mir ein Gefühl der Verbundenheit mit meiner Heimat, führt mich zurück in meine Kindheit, gibt mir die Gelegenheit zum Innehalten.
Weihnachten ist für mich kein kommerzielles Fest, sondern eine Feier des Lichts, des aufeinander zugehens und der offenen Tore.

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Die gegenseitigen Geschenke sind  Aufmerksamkeiten und Zeichen der Wertschätzung des Anderen.
Sie gehören zum familiären Weihnachtsfest, sind jedoch nicht der Mittelpunkt.
Der Zusammenhalt meiner Familie ist mir das Wichtigste in meinem Leben und so genießen wir einen gemeinsam verbrachten Tag, zu dem auch ein Festessen gehört.
Bei uns gibt es am Weihnachtsabend Hase.
Kaninchenbraten mit Rotkohl und grünen Klößen.
Das Essen bereite ich gemeinsam mit dem Gärtnergatten vor und wir nehmen es zur Tochter mit.
Unser Sohn und meine Frau Mutter sind selbstverständlich dabei.
Das Rotkraut habe ich zubereitet,  genauso die Vorsuppe und das Dessert.
Spezialist für den Hasenbraten ist der Gärtnergatte und hier kommt sein Rezept.
Es ist das Beste der Welt.
Beginnen wir drei Tage vor Heilig Abend.

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Wir brauchen einen Eimer, 4 Liter Buttermilch, Pfeffer, edelsüßen Paprika, Bautzener Senf, Knoblauch in rauhen Mengen und natürlich Kaninchen.
Eine große Tüte kommt in den Eimer und los geht’s.
Die Hasen werden zerlegt und die einzelnen Teile werden mit reichlich Senf bestrichen und gepfeffert.

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Ein leichter Hauch von edelsüßen Paprika kommt dazu, nur ganz, ganz wenig davon.
Der Gärtnergatte schält eine ganze, große, frische Knoblauchknolle

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und nun kommen die Hasenteile gemeinsam mit dem Knoblauch in den Eimer und werden in Buttermilch 48 Stunden mariniert.

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Gelegentlich wenden, damit die Teile gut durchziehen.
Es duftet schon unglaublich dabei.
Am Abend des 23.Dezembers beginnt die große Küchenschlacht.

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Die Hasenteile werden aus der Marinade genommen, trockengetupft und gesalzen.
Wurzelgemüse und Zwiebeln hackt der Oberbefehlshaber, einer muss es ja sein, in Windeseile höchstselbst in grobe Stücke.

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In einer großen, besser gesagt in zwei großen Pfannen wird das Gemüse in Butterschmalz und ein wenig Öl angeröstet.

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Dann kommen die Hasenteile dazu und werden von beiden Seiten knusprig angebraten.
Ich bin beratender und probierender Beobachter, mein Dienstgrad ist nicht genauer festgelegt, und sehe dem ganzen Kochtheater aus der ersten Reihe bei einem Schluck besten Weihnachtsbieres gelassen zu.

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Es brutzelt und zischt, broddelt und dampft und duftet, dass mir das Wasser im Mund zusammenläuft.
Nebenher laufen unsere liebsten Lieder der 80er Jahre und wir sind gemeinsam in bester Weihnachtsstimmung.
Die angebratenen Hasenteile werden noch einmal aus der Pfanne genommen.

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Sehen sie nicht zum Anbeißen aus?
Das Röstgemüse ist noch in der Pfanne und dort bleibt es auch, den Bratensatz löst der Gärtnergatte mit dunklem Soßenfound und schafft damit die Basis für die Soße.
Einkochen lassen und mit der Buttermilch der Marinade auffüllen.

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In diese köstliche Soßengrundlage kommt nun der angebratene Hase wieder hinein.
Noch einmal kommen einige Knoblauchzehen dazu und ein paar getrocknete Steinpilze.

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Die fertig gefüllten Pfannen verströmen aromatische Düfte und meine Vorfreude auf den Heiligen Abend steigt ins Unermessliche.

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Deckel drauf, Glück auf.
Beide Pfannen kommen nun mit geschlossenem Deckel für mindestens zwei Stunden bei 180 Grad Umluft in den Backofen.

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Zeit genug, die Küche wieder in einen betretbaren Zustand zurückzuversetzen.
Das ist mein Einsatz. Der Gärtnergatte erholt sich in der Zwischenzeit beim Lauf.
Der Hase ruht und zieht über Nacht in seiner gehaltvollen Soße gut durch.
Am Morgen des Heiligen Abends frühstücken wir in aller Ruhe genüsslich.
Mit hungrigen Magen kann die Fertigstellung des Gerichts nicht erfolgen. Der verlockende Duft würde unweigerlich zum Verzehr führen.
Nachdem wir satt sind beginnt der Meisterkoch mit den letzten Vorbereitungen.
Nocheinmal kommen die Hasenteile aus der Pfanne.
Ihr Anblick ist sehr verlockend.

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Der letzte Arbeitsgang ist die Fertigstellung der Soße.
Dazu wird sie gesiebt und mit kleinen kalten Butterstückchen abgezogen.
Noch ein Schlückchen süße Sahne zur Geschmacksverfeinerung dazu.
Fertig.

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Alles wird verpackt und nun noch uns selbst schick gemacht, damit wir am festlich gedeckten Tisch mit den Anderen um die Wette strahlen können.

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Der Hase wird einfach noch einmal für eine halbe Stunde zum Erwärmen in den Backofen geschoben und dann serviert.

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Himmlisch.

46 Gedanken zu „Alle Jahre wieder…

  1. anudasa

    Guten Morgen unsere geliebte Schwester Arabella.
    Das gefällt mir, dass Ihr keine gläubigen Christen seid 🙂
    Ich selbst habe das längst hinter mir gelassen.
    Nun schaue ich nur noch ins Licht. Das ist am schönsten 🙂
    Es grüßen Dich ganz herzlich
    Der Froschi und der Anudasa ❤ ❤
    P.S.: Bei uns schneit es.

    Antwort
    1. Arabella Autor

      Lieber Anadusa, durch das Land in dem ich geboren bin ist das nicht ungewöhnlich.
      Da ich auf die verschiedenen Religionen unvoreingenommen zugegangen bin, war ich umso enttäuscher.
      Schauen wir gemeinsam ins Licht, es ist offen für uns alle.
      Herzeliges<3

      Antwort
  2. nixe

    Guten Morgen liebe Arabella, aus ganz den gleichen Gründen feiere ich das Weihnachtsfest auch. Genau das ist mir auch soooo wichtig.
    Grüne Klösse kenne ich nicht. Das Weihnachtsessen hier in der Region ist Gans mit Rotkohl.
    Herzliche Grüsse

    Antwort
    1. Arabella Autor

      Das Kartoffelsalatrezept ist schon im Blog. Schau doch mal unter Lieblingsspeisen.
      Die grünen Klöße sind der regionale Renner:-D und im neuen Jahr kommen sie in den Blog.
      Herzeliges

      Antwort
  3. Der Emil

    Guten Morgen,

    Welch ein Glück, daß ich bereits gefrühstückt hatte. Aber der Appetit kam trotzdem und ich konnte ihn nur mit einem zusätzlichen Schinkenbrot (erbärmlicher Ersatz, ja) besänftigen. Einlegen in Buttermilch, vermischt mit einem Liter Chardonnay. aber ohne Knoblauch, das ist meine Rezeptversion. Und Umluft hab ich nicht, sonst aber bereite ich ein solches Tier auch so zu, wenn ich eines habe (dieses Jahr nicht).

    Ich wünsch noch mehr schöne, ruhige Tage.

    Antwort
      1. Arabella Autor

        Jetzt ist leider auch keins mehr da.
        Solltest du noch kommen wollen, fahren wir zum Fritz.
        Gegenüber der kleinen Kneipe ist ein noch kleinerer Skihang, mit Minilift!
        Vielleicht reicht es für 2 x runzerrutschen.:-)

  4. kormoranflug

    Das Rezept kann man sicher auch für einen echten Feldhasen nehmen. Danke für die Weihnachts-Familieneinblicke. Der Gärtner ist im richtigen Leben bestimmt Chirurg- (die blauen Handschuhe).

    Antwort
    1. Arabella Autor

      Kaninchen gibt es bei uns wirklich einmal im Jahr und dann freuen wir uns sehr drauf.
      Die Socken sind meine Schuld. Wenn die Schuhe anbleiben, sind nach der Schlacht immer überall im ganzen Haus Tapsen;-)
      Liebe Grüße

      Antwort
  5. AnDi

    Vielen Dank liebe Arabella für die Einblicke! Das mit der Buttermilch ist ne interessante Sache und lässt sich doch sicherlich auch bei Geflügel so anwenden, oder?

    Und was Deinen Dienstgrad angeht: was wäre der beste Oberbefehlshaber ohne einen guten General, welcher im Hintergrund über alles wacht und alles unter Kontrolle hat? 😉

    Liebe Grüße
    AnDi

    Antwort
    1. Arabella Autor

      Bei Geflügel haben wir es noch nie probiert.
      Gut vorstellen kann ich es mir bei Wildgeflügel, z.B.Fasan, dann vielleicht noch mit Wacholderbeeren.
      Herzeliges.:-)

      Antwort
  6. magguieme

    Ich habe noch nie etwas gekocht, das soooooo lange dauert. Werde es vermutlich auch nie machen, das ist schon in der Vorstellung gar nicht mein Ding!
    Und Foto in der Kirche! Arabella, Arabella!

    Antwort
      1. magguieme

        48 Stunden + Schmorzeit, Zubereitung, und und und. Doch! Das ist soooooo lange!
        Vom Taufen, Kirche gehen und Singen habe ich nichts gesagt 😉

      2. Arabella Autor

        Es ist ja auch ein Festessen und ich bin dir da nahe, solche Sachen kocht immer der Gärtnergatte, ich brauche sichtbare Ergebnisse.

  7. Myriade

    Nachträglich guten Appetit !
    Finden diese langen Marinierzeiten alle außerhalb des Kühlschranks statt ? Da liegt das Fleisch ja tagelang ungekühlt herum ?? Oder habe ich da irgendwas falsch verstanden ?
    Einen schönen Tag wünsche ich. Bei mir sieht es so aus als ob es vielleicht schneien könnte. Bitte Daumen halten !

    Antwort
    1. Arabella Autor

      Das Fleisch liegt in der Marinade, bei ca 10 Grad an einem kühlen Ort im Keller.
      Kälter sollte es auch nicht sein, sonst zieht es nicht durch.
      Im Sommer wäre das ohne Kühlschrank nicht möglich.
      Wir würden so ein Gericht im Sommer aber nicht essen.
      Dem Fleisch passiert nichts schlechtes dabei, wirklich.;-)
      Liebe Grüße

      Antwort
      1. Myriade

        Aha, im kalten Keller. Das erklärt die Sache. Und du hast es ja auf jeden Fall und glücklicherweise überlebt 😀 Schmeckt sicher köstlich wenn Fleisch so lange mariniert wird.

  8. Herr Hund

    Mit mir kehrt auch so langsam mein Appetit zurück. Und was ich bei Ihnen, meine Liebe, so sehe, macht mir die Ente fast abspenstig, die, leicht verspätet, heute bei uns auf den Tisch kommen soll, in wenigen Minuten. Es ist hier dieser Tage krankheitsbedingt alles ein wenig zeitversetzt.

    Alles, was Sie jedenfalls bildhaft anführen konnten, lässt mich auf angenehme Weihnachten schließen und dies erscheint mir für Ihre Person wie Ihre Familie sehr verdient. Mich erfreut’s, wie es zudem mich hungrig gemacht hat, dies zu lesen.

    Freundlichst
    Ihr Herr Hund.

    Antwort
    1. Arabella Autor

      Was bin ich froh darüber…und wünsche weiter gute Besserung.
      Und wenn Sie nun Appetit haben, nix wie ran and die Ente, die möchte endlich verspeist werden.
      Die Tage waren warm und hell und gut, ich wünsche, es geht so weiter.
      Herzeliges, Ihre AraBELLa.

      Antwort
  9. keinbisschenleise

    Oh mein Gott,
    jetzt läuft mir das Wasser wieder mal im Mund zusammen und ich frage mich eben,
    warum gehe ich um diese Zeit auf solch einen Blog von dir ???

    Arabella, du bist einfach der HAMMER !!!

    Bei uns war das, solange meine Oma lebte, genau so, denn sie bestand auf *Neunerlei und meine Mama auf die Würstchen mit dem Kartoffelsalat und so kamen wir Kinder immer in den Genuss von Beidem 😉

    Das Kaninchenrezept habe ich übrigens auch von meiner Oma original, wie das eure, übernommen…soooooo lecker !

    ….und ja, ich war jetzt am Kühlschrank und habe mir ein paar kleine Baguette Scheibchen lecker belegt 😉

    Tschüüüüss und bis die Tage und ein schönes Wochenende wünsche ich…

    herzlichst Uschi ❤

    Antwort
    1. Arabella Autor

      Na und du erst.<3

      Es ist schön, so finde ich, die regionalen Traditionen zu pflegen, ohne diesen in Starrheit zu verfallen.

      Die nächsten Tage sind Urlaubstage zu Hause und ich werde sie genießen.

      Herzeliges ❤

      Antwort

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