Archiv der Kategorie: Wir sind unterwegs

Chemnitz, deine Häuser – Die Villa Zimmermann

Chemnitz hat schöne Seiten.
Mir fällt auf, dass fast immer ein Wermutstropfen dabei ist.
Es ist eine Arbeiterstadt, Geld war und ist knapp.
Nicht umsonst sagt ein Spruch :“ In Chemnitz wird das Geld verdient, das in Dresden ausgegeben wird“.
Von den „Großen“ natürlich. Die kleinen Leute arbeiten fast ausschließlich für den Lebensunterhalt.
Dabei hat es verheißungsvoll begonnen mit der Wirtschaft in Chemnitz.
Ein Wahrzeichen dafür ist die, in  unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs gelegene, Villa Zimmermann.

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Benannt nach ihren Erstbesitzer Johann Zimmermann ( 1820 – 1901 ).
1839 kam der nach Chemnitz und gründete hier die erste Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik.
Seine 1848 gebaute Fabrik war die erste Fabrik in Deutschland und auf dem Festkontinent zum Bau von Werkzeugmaschinen.
Chemnitz wurde zur Wiege des Deutschen Werzeugmaschinenbaus und war bis zum Ende des 2. Weltkrieges einer der wichtigsten Maschinenbaustandorte Deutschlands.
Das ein so mächtiger Mann entsprechend wohnen muss ist selbstverständlich.
Zimmermann beauftragte den Hannoverschen Architekten Otto Goetze mit dem Bau einer Villa für sich. Der war bekannt für seine Bauten im neogotischen Stil.
Die Neogotik greift auf den historischen Kunst-  und Architekturstil der Gotik zurück und erfreute sich im 19. Jahrhundert zunehmender Beliebtheit.

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In den Jahren1865 – 1867 wurde der Bau errichtet.  Bis 1884 wohnte Zimmermann – inzwischen Ritter von Zimmermann –  in der prachtvollen Villa,

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bis er sie 1884 an Julius Wolf verkaufte, der ein Hotel daraus machte.
Es erfolgt ein Anbau,  der dann das eigentliche Hotel Carola wurde.
Trotz der Lage am Hauptbahnhof bleiben Villa und Hotel von den Bombenangriffen auf Chemnitz am 5.März 1945 verschont.
Damit ist Chemnitz und Sachsen eines der wertvollsten Baudenkmäler neugotischer Wohnhausarchitektur in Sachsen erhalten geblieben.

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Zunächst für die sowjetische Militärverwaltung, die nach dem 2. Weltkrieg dort ihren Sitz hatte.
Ab den 1950er Jahren bis hin zur Wende befand sich das Hotel im Besitz der HO , die dort ein Hotel mit Restaurant betrieb.
Im Wintergarten der Villa Zimmermann direkt, gab es die besten Goldbroiler der Stadt (Goldbroiler sind gegrillte Hähnchen) in der Broilerbar und im Straßenverkauf. Mein Mann schwärmt heute noch davon.
Die Schönheit des Gebäudes verfiel mehr und mehr, mangelnden Mittel zur Erhaltung fielen in der DDR viele Häuser zum Opfer.

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Ich erinnere mich, einmal auf einer Weihnachtsfeier des Arbeitgebers meines Mannes, dort Gast gewesen zu sein.
Vom Charme des Hauses war nur ein Hauch zurück geblieben.
Die Feier fand allerdings im Neuanbau – dem direkten Hotel Carola also – statt.
Dies hatte nie den Zauber der Villa erreicht, inzwischen existiert es nicht mehr.
Doch dazu später.
Nach der Wende 1990 wurde das Hotel und Restaurant geschlossen und damit dem Verfall preisgegeben.
Der damalige Besitzer – die Volksbank Mittweida – ließ das Haus trotz Mahnungen weiter verfallen und so konnte Hausschwamm einziehen.
Während die Villa durch Fördermittel des Freistaates notgesichert wurde, verfiel der Neubau, das Hotel, zusehends.
Ein fehlendes Nutzungskonzept, der überhöhte Kaufpreis und ein dubioses Zugeständnis an den Neueigentümer der Villa ( der nur die Villa selbst erhalten wollte ) führten 2007 zum Abriss dieses Teils des Gebäudekomplexes.
Proteste Chemnitzer Bürgen blieben unerhört.
Was die Bomben des 2. Weltkrieges nicht geschafft hatten, was die mangelnde Instandhaltung zu DDR – Zeiten nicht erreichte, das wiedervereinigte Deutschland schaffte es.
Die Villa Zimmermann selbst wurde in 18 Monaten saniert und am 4.12.2008 in voller Schönheit neu eröffnet.

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Ein Kartoffelhaus und ein Tanzclub hielten Einzug.
In Chemnitz gibt es wenig Geld, das Projekt konnte nicht gut gehen. Zum auswärts essen und für Tanzvergnügungen reicht das Verdiente bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht.
Schon nach 1/2 Jahr erfolgte die Insolvenz und die Schließung.
Ein 2. Anlauf 1 Jahr später mißlang genau so kläglich.
2011 wurde die Villa Zimmermann, immer noch leer stehend, für 1 Million Euro zwangsversteigert.
Der neue Besitzer,  ein Chemnitzer Autohändler, wusste mit dem prächtigen Haus genauso wenig anzufangen.
Es stand weiter leer.
2013 wehte der Wind der Hoffnung.
Ein Investor aus Baden-Württemberg,  dem schon das Dresdener Cosel-Palais gehört, kaufte die neogotische Villa in der Absicht teuere Anwaltskanzlein dort einzurichten.
Als ich heute morgen – am 27.11.2014 –
wie jeden Tag vorbei ging, stand die wunderschöne Villa immer noch leer.
Chemnitz – deine Häuser!

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Zu Besuch bei Gevatter Tod

Meine liebe Bloggerfreundin Marga
http://margaauwald.wordpress.com/
hat sich vor kurzem mit dem Thema Tod beschäftigt.
Dazu warf ich ihr durch’s Hintertürchen 10 Worte zu, ausgesucht schöne Wörter, ich wollte sehen was ihr Talent daraus schafft.
Entstanden ist ein, wie ich finde, kluger Aufsatz, vielleicht veröffentlicht sie ihn.
Für mich war der Tod ein Wesen, nicht fassbar.
Marga sieht den Tod als Frau.
Ihre ausführliche Beschäftigung mit dem Thema, der für mich gefasste Aufsatz,  die Jahreszeit, alles zusammen bringt mich dazu, mich näher mit dem Tod zu befassen.
Einen besseren Ort als einen Friedhof gibt es dazu wohl nicht.
Zudem wirkt unser Friedhof wie ein Park, die Bilder, die ich von ihm hier zeige, stellen auch meine Einstellung zum Tod dar.
Ich sehe ihn nicht dunkel.

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Meine Liebe zu Märchen hilft mir auch hier weiter.
„Gevatter Tod“ ist das 44.Märchen in der Sammlung der „Kinder – und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm.
Später wurde dieses Märchen von Ludwig Bechstein in sein „Deutsches Märchenbuch“ aufgenommen.

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Die Handlung ist sicher bekannt.
Ein armer Mann sucht für sein 13.Kind einen Taufpaten.(Allein diese Zahl schon – 13 -.)
Der Herrgott selbst bietet sich ihm an.
Er wird mit den Worten:“ Du gibst den Reichen und lässt die Armen hungern.“
abgelehnt.
Zumindest in der Erstfassung von 1812. Später wird, um den Vorwurf der Areligösität auszuräumen, hinzugefügt:
„So sprach der Mann, weil er nicht wusste,wie weislich Gott Reichtum und Armut verteilt.“
Mir zeigt das auf, der Tod ist für die Menschen eng mit Gott verbunden. Gott stellt für sie – mit seiner Unsterblichkeit – die Überwindung des Todes – die Hoffnung an sich also – dar.

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Zurück zum Märchen.
In der ersten Fassung tritt der Teufel nicht in Erscheinung. In der bekannten Version trifft der arme Mann nun auf den Teufel, der ebenso Pate werden will.
Mit den Worten: “ Du betrügst und verführst  die Menschen.“ wird auch er abgewiesen.
Als Pate angenommen wird der Tod mit den Worten: „Du bist der, der alle gleich macht. „.
Gerechtigkeit ist also die herausragende Eigenschaft des Todes.
In jedem „gleich“ steckt auch „leich“ , fällt mir ein Spruch dazu ein.
Aber es kommt noch besser.

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Der Tod nimmt den Jungen zu sich und bildet ihn zum Arzt aus.
Immer schon suchten Menschen nach Unsterblichkeit.  Manchmal – mit dem Kraut des Lebens, dem Stein der Weisen oder dem heiligen Gral – nach der Unsterblichkeit des Körpers, manchmal – mit den Religionen – nach der Unsterblichkeit der Seele.

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Der Tod zeigt dem Jungen im Märchen das Kraut der Unsterblichkeit und gestattet ihm, es zu verwenden.
Mit der Bedingung, das er, der Tod, entscheidet, wann er es anwenden darf.
Der Tod ist also nicht zu besiegen.
Er ist der Herr, er bleibt dies.
Nun wird’s spannend.
Steht der Tod zu Füßen des Kranken,  ist er verloren.
Steht der Tod am Kopf des Kranken ist Heilung möglich.
Ist der Kopf als Sitz des Denkens, hier auch als Zeichen für das Überleben des Todes durch die Seele gemeint?
Ist der Tod nicht zu fürchten, weil er nicht Ende sondern Anfang ist.
Das Ende kennen wir, den Anfang nicht.
Für mich klingt allein das unwahrscheinlich.

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Das Bild des Märchens verlasse ich hier. Später komme ich noch einmal auf es zurück.
Für alle die es nachlesen wollen, führt ein Link über meinem Beitrag zu ihm.
Das Kraut des Lebens und die Suche danach beschäftigt die Menschheit seit sie denkt.
In der 2.Hälfte des 2.Jahrtausend vor Christus entstand das Gilgamesch-Epos.
In ihm sucht König Gilgamesch selbst das Kraut der Unsterblichkeit, auch hier muss er dazu in das Reich des Todes vordringen.  Später scheitert er an einer Aufgabe, fällt statt dessen in tiefen Schlaf (und der Schlaf ist der Bruder des Todes). Im Traum erfährt er den Aufenthaltsort des Krautes der Unsterblichkeit und bringt sich in dessen Besitz, lässt es sich jedoch von einer Schlange! wieder stehlen.
Für mich ist interessant, das König Gilgamesch in seiner Kultur vorher selber als Gott der Unterwelt und Totengott mit Namen (Pa)bilgamesch gehandelt wurde.
Wieder besteht also die Verbindung Tod, Medizin, göttliche Macht.

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Der Tod ist allgegenwärtig und doch nicht fassbar.
Mir selbst gleitet er schon wieder durch die lebendigen Finger.
Die Verbindung Medizin – das Ankämpfen gegen den Tod – und Tod an sich,  findet sich auch später weiter bei Hades,  dem griechischen Todesgott und Gott der Unterwelt.
Hades ist der Erstgeborene der Ureltern, wichtigster Nachkomme also.
Leben und Tod sind beide Anfang.
Leben ist auch Tod. Tod schafft Platz für neues, gesundes Leben.
Interessant finde ich hier wieder, dass Hades mit Plutos identifiziert wird.
Als Plutos verfügt Hades über die Heilpflanzen.
Da ist sie wieder die Einheit Tod und dessen Bekämpfung durch den Menschen mit der Medizin und die Allmacht eines Gottes im Hintergrund.
( Sollte das Techtelmechtel von Hades und der Nymphe Minthe auf die gesunde Wirkung der nach der Nymphe benannten Minze hinweisen?
Immerhin einem der bekanntesten, schon um das Jahr 800 aufgeführten Heilkräuter. )
Doch es gibt noch mehr solche Dreiheiten.
Asklepsios, der berühmte Arzt der Antike lernt beim heilkundigem Chiron.
Chiron ist der Bruder des Totenfährmanns Charon. Auch Asklepsios übertrat die Grenze und erweckte einen Toten zum Leben. Auch er musste dafür Hades sein Leben opfern.
Immer ist der Tod über die Medizin in Verbindung mit dem Leben.

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Oft verkünden in den alten Erzählungen die Götter ihre entscheidende Hilfe im Schlaf.
Der Schlaf ist des Todes Bruder.
Weil wir in ihm frei unserer Körper sind?
Das ist nicht richtig.
Nur unser lebender Körper ermöglicht und braucht den Schlaf.
Das hat nichts mit dem Tod zu tun.
Ich will versuchen mich dem Tod auf andere Art zu nähern.
Über die Liebe.
Dazu komme ich noch einmal auf das Märchen zurück.
Die Liebe kostet am Ende dem Arzt, Patenkind des Todes, das Leben.
Um das Mädchen – das er liebt –  zu retten, betrügt der Arzt den Tod.
Der rächt sich, indem er für das ihm entgangene Leben des Mädchen am Ende das Lebenslicht des Arztes verlöschen lässt.
Der Triumph der Liebe über den Tod erfolgt also nur kurzzeitig.

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Dem Tod ist nicht auszuweichen, ich habe es verstanden.
Eins fehlt mir noch in meiner Suche nach dem Wesen des Todes, seine Gestalt als Frau.
Dazu finde ich wenig.
Frauen sind zu sehr mit Leben schenken verbunden, als sie auf dieser Seite zu suchen.
In Midgard, der germanischen, vergangenen Sicht unserer Welt, gibt es die Halbgöttin Nue Fei Par, sie kennt das Geheimnis der Unsterblichkeit.
Preis gegeben hat sie es bis jetzt noch nicht.

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Lilith fällt mir noch ein, sie ist die Schlange die Adam und Eva den Apfel der Erkenntnis und mit dieser den Tod bringt.
Die Erkenntnis,  das menschlich nicht fehlerfrei und damit nicht göttlich ist, bedeutet zugleich das Todesurteil.
Hier kann ich fast einhaken, wenn ich bedenke, dass nur eine Verbesserung der Gene durch die Evolution Anpassung und damit Überleben sichert.
Lilith nutzt das nichts, sie wird zu Strafe dazu verurteilt ihre eigenen Kinder zu töten. 
Hier spielen mir die Religionen schon wieder einen Streich bei meiner Suche nach dem Tod und seiner wirklichen Reichweite.
Früh genug werde ich es, wie wir alle, erfahren.
Die Sonne schien bei meinem Besuch auf dem Friedhof, als wollte sie den Tod leugnen.
Der Herbst, das Sterben des Jahres,  scheint in diesem Jahr noch weit,  trotz das seine Zeit mit der Geschwindigkeit der Ewigkeit abläuft.

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Das letzte Foto beruhigt mich vollendet. Oft bewundern wir die Statue des Jesus auf unserem Friedhof.
Wie ich beim Betrachten der Bilder feststelle, hält er schützend seine Hände über uns.
Eine über den Gärtnergatten, eine über mich.
Religion, Glaube, Seele, Liebe, Tod, wer am Ende siegt ist in diesem Moment gleich.
So ist es, das Leben.
Immer nah am Tod, immer nah der Liebe.

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Nach oben, nach oben…

zieht es mich mindestens einmal im Jahr.
Einmal muss ich hinauf, 516 m über NN hoch, hinauf, zum Schloss meiner Kindheit.
Das Jagdschloss Augustusburg dominiert mein Leben und das ist gut so.
Brauche ich doch feste Orte und Bezüge, die mir inneren Halt in der äußeren Welt geben.

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Bergauf muss ich durch’s idyllische Städtchen Augustusburg ziehen,um an den Ort meines
Wunsches zu gelangen.
Da das Schloss mich sonst auf allen Wegen begleitet, nehme ich das gern in Kauf. 
Das Jagdschloss Augustusburg ist eine Landmarke.
Ich kann es täglich von allen Richtungen aus, in die ich mich begeben muss, sehen.
Der Begriff Landmarke stammt aus der Luft – und Schifffahrt. Er weist auf ein weithin sichtbares, topografisches Objekt hin, das mit Kartenzeichen auf Karten markiert ist und damit bei der räumlichen Orientierung hilft.
So etwas ist bei meinem begrenzten Orientierungssinn durchaus von Bedeutung.
Im Sonnenschein strahlend,  im Nebel verschwommen, am Abend beleuchtet  – immer jedoch sichtbar-  ist dieses Schloss für mich zum Inbegriff meiner Heimat geworden.
Heute kann ich es wieder aus der Nähe erleben.

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Den Weg nach Augustusburg kann man von Erdmannsdorf aus auch mit der Drahtseilbahn nehmen, das ist ein zusätzliches Erlebnis für Große und Kleine.
Mir ist der direkte Weg heute lieber. Wir sind mit dem Auto hierher gefahren und laufen das letzte Stück durch die historische Altstadt zum Schloss.
Ein mit Skulpturen geschmückter Weg führt von der Stadt zum Schloss. Eine von den Skulpturen  – den Bergmann – zeigte das vorhergehende Bild.

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Den Weg zum Schloss säumen  Wohnhäuser und einladende Cafe’s in deren Vorgärten weitere Skulpturen überraschen.

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Erst im September dieses Jahres wurden 6 neue Skulpturen für den Weg geschnitzt, direkt im Wirtschaftshof des Schlosses konnte dabei zugeschaut werden.
Fabelwesen, die historische Stadtfigur des Prinz Lieschen und ein historischer Schaffner der Drahtseilbahn sollen u.a. weitere Gäste in die Stadt locken.
Gleich in der Nähe befindet sich die Schlosskirche

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in der sich außer der an ungewöhnlicher Stelle, nämlich auf der Ostempore,  befindlichen Orgel noch ein weiterer Schatz versteckt.
Das Altargemälde ist von Lucas Cranach d.J. und stellt die kurfürstliche Familie vor dem Gekreuzigten dar.
Seit seiner Weihe 1571 hat es seinen Platz niemals verlassen.
Momentan wird es vor Ort restauriert.
Ich hoffe,  es war nicht Udo Lindenberg, der hier kürzlich – aus Anlass seiner Bildausstellung – ein Konzert gab, der dafür verantwortlich ist.
Weiter geht’s hinauf, hinauf.
Am Weg liegen kleine Geschäfte und bieten Dinge, die das Leben schöner machen.
Einladende Tore wie das von diesem  1609 zum ersten Mal erwähnten Haus machen den Aufstieg zum Schloss zum Vergnügen.  Sogar eine Hortensie winkt mir aus dem Vorgarten daneben freundlich zu.

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Weiter gehen, weiter nach oben, gleich bin ich da.

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Da leuchtet das Ziel schon auf und gleich,

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gleich bin ich angelangt.
Hinein ins Schloss nun durch’s erste, äußere Tor,

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dem dann das prächtige, innere Eingangstor folgt.
Hier schon von innen zu sehen.

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Das Jagdschloss Augustusburg wurde von 1568 – 1572 erbaut.
Es steht auf dem Schellenberg, der vorher schon der Schellenburg Platz bot. Die Entstehung der Schellenburg geht in die Jahre 1210/1230 zurück.
Erbaut von denen von Schellenburg, ging sie später in den Besitz der Wettiner über.
Kurfürst August von Sachsen,
1526 – 1586, wollte sich mit dem Bau der Augustusburg nicht nur ein Domizil für Jagdausflüge schaffen, das seiner Residenzstadt Dresden nahe lag, er wollte seine führende Rolle darstellen.
Die durch Brand geschädigte Anlage der Schellenburg wurde abgerissen und die Grundsteinlegung zum neuen Jagdschloss erfolgte 1567.
Bis zur festlichen Einweihung am 30.1.1572 vergingen also einige Jahre.
Und die Brunnenlegung, die sich sehr schwierig gestaltete, dauerte gar von 1568 – 1577.
Der Brunnes des Schlosses Augustusburg ist der zweittiefste in Sachsen .
Tief ist auch mein Gefühl der Verbundenheit, wenn ich auf dem Schloss zu Gast bin.

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Hungrig macht die Kraxelei und ich stärke mich gemeinsam mit dem Gärtnergatten im Schlossrestaurant.
Dieses ist unser einziger Aufenthalt in den inneren Schlossräumen heute.

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Wir beide wollen genüsslich zu Abend essen und unseren Hochzeitstag feiern.
Wo besser als auf meinem Lieblingsschloss.
Dabei kommen wir auf den Baumeister von Schloss Augustusburg zu sprechen.
Oberbaumeister war Hieronymus Lotter.
Zwei seiner Pläne basieren auf einem schon vorgefertigten Holzmodell, welches, unbewiesen, von manchem dem Kurfürsten selber zugeschrieben wird.
Sein Interesse für Architektur ist bekannt.
Auf die Wahrheit dieser Annahme weist auch hin, dass August Änderungsvorschläge zu diesem Modell stets zurück gewiesen hat.
Beteiligt am Bauplan und Bau des Nordportals und der Kapelle war massiv Oberwerkmeister van der Meer
und direkt Hieronymus Lotter unterstanden hat Oberwerkmeister Paul Wiedemann.
Aus heutiger Sicht hatte Kurfürst August am Hof selber alles unter die Aufsicht des Baumeisters Hans Irmisch gestellt.
Den Augustusburgern gilt jedoch Hieronymus Lotter als Baumeister des Jagdschlosses Augustusburg und ihm haben sie auch eine der neuen Skulpturen des Skulpturenwegs gewidmet.
Inzwischen haben der Gärtnergatte und ich unser hochzeitstägliches Mahl verspeist, natürlich Wild, was sonst auf einem Jagdschloss,  wenn auch in Form von Wildgeflügel.
Zufrieden treten wir in den Schlosshof und hier haben wir eins der schönsten Erlebnisse des Tages.
Wir sind allein im riesigen Schlosshof.

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Als wäre die ganze Pracht nur für uns, geniessen wir diesen innigen, stillen Moment, mit dem uns beiden so lieben Stück Heimat.
Luft holen, aufatmen, Größe aufnehmen können wir in diesem Augenblick.
Wie sagt mein Gärtnergatte immer : „Raum ist Luxus“.
Hier bekommen diese Worte eine ganz andere Bedeutung.
Wir schlendern in der Dunkelheit zum Tor zurück ,

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noch einmal grüßt die Schlosskirche.

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Dieser Ausflug gibt mir Kraft für viele Wochen.
Wenn ich aus der Ferne das Schloss sehe, erinnere ich mich bis zum nächsten Besuch an den schönen Tag.
Auf der Heimfahrt den Schellenberg hinab in’s Tal springt uns ein Reh direkt über die Fahrbahn.
Das weder uns noch dem Reh etwas geschehen ist, sehe ich als ein glückliches Zeichen.

Mein Clan oder im Garten meiner Schwester

Das Wort Clan stammt vom schottisch- gälischen Wort clann ab und bedeutet Kinder.
Ein Clan ist eine größere Familiengruppe, die ein abgegrenztes Gebiet bewohnt und ihre Herkunft auf gemeinsame Urahnen zurückführt.
Manchmal können diese Urahnen auch sagenhafter Herkunft sein.
Eine spezielle Untergruppe im Clan sind die Lineages,  die Abstammungsgruppen. In ihnen kann die Abstammung von einer Stammesmutter oder eines Stammesvaters lückenlos nachgewiesen werden.
Zu unsererm letzten Clantreffen war die Stammesmutter sogar dabei.
Im Garten meiner Schwester feierten wir den Geburtstag eines Familienmitgliedes und so ergab sich ein Grund vereint Kuchen zu essen.
Unser Stammesgebiet ist von großer landschaftlicher Schönheit.

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Blauer Himmel, grüne Wiesen und  freie Aussicht auf meine Heimatstadt – Herz, was willst du mehr.
In die andere Richtung geschaut fällt der Blick auf ein kleines Barockschlösschen,  das aber nicht unserer Wohnsitz ist.

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Zwischen den Bäumen sieht man sein Türmchen ins Land grüssen. Für unseren Clan wäre es viel zu groß. Während meine Familie eng beieinander lebt, ist die Familie meiner Schwester übers ganze Land verstreut.
Schön also, dass wir uns alle in ihrem Garten treffen.
Blumen gibt es auch hier in schönster Pracht

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und natürlich auch eine Hortensie.

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In dem parkähnlichen Gelände lädt ein kleiner Teich zum Träumen ein.

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Die darin lebenden Fische, zum Verzehr gedacht, wurden von Fischreihern gefangen anstatt vom Hausherren und so ist der Teich nun einfach schön und eine Heimat für viele kleine Lebewesen.
Auf uns wartet unter blauem Herbsthimmel eine Kaffeetafel, die mein Herz höher schlagen lässt.
Himbeerkuchen,

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Pflaumenkuchen

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sind mehr als Augenschmaus.
Die Schaukelinhaberin ist glücklich ein buntes Stück Papageienkuchen zu erwischen und lässt es sich,  genau wie wir, schmecken.

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Unterstützung beim Essen und Gesellschaft im Spiel leisten die beiden Enkel meiner Schwester,

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die Zukunft unseres Clans ist gewiss.
Das Wetter lässt den Nachmittag im Garten zu einem Fest werden und wir kommen scherzend auf die Idee, die weiblichen Mitglieder unseres Clans gesondert zu fotografieren
Der ursprünglichen Teil der Familie sind wir Frauen ohnehin und haben uns nur durch exogane Heiratsregeln (das Heiraten ist nur außerhalb des Clans erlaubt) erweitert und vermehrt.
Das Geburtstagskind, darf als einziges männliches Mitglied mit auf unser Foto, seine langen Haaren lassen ihn von hinten auch als Frau durchgehen.
Na ja, wenn man nicht so genau hinschaut.
Wir lachen mit der Sonne um die Wette beim Aufstellen zum Foto.

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So vergeht der Nachmittag mit Späßen und erzählen im Flug.
Zu Festen gehört gutes Essen, ganz klar und unsere Tollerein im Garten machen hungrig.
Die Abendtafel wird gedeckt,

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diesen fast spätsommerlichen Tag wollen wir im Freien zubringen. Der Winter ist noch lang genug.
Schnell wird es schon dunkel und so vergnügen wir uns weiter und nur der Mond schaut zu.

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Schön ist es Clanmitglied zu sein, denke ich auf der Heimfahrt mit dem Gärtnergatten und freue mich auf unser gemeinsames Zuhause.

In Vino veritas oder sächsischer Wein

Sachsen hat ein kleines, Kennern bekanntes, Weinanbaugebiet – zwischen Radebeul und Meißen gelegen.
Schloss Wackerbarth oder Wackerbarth’s Ruh möchte ich vorstellen, es ist einen Ausflug wert.

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Umgeben von Weinbergen liegt das Barockschloss im Denkmalschutzgebiet „Historische Weinberglandschaft Radebeul „.
Das historische Areal des Schlosses bildet Ausläufer ins Landschaftsschutzgebiet Lößnitz.

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1727-1730 von Johann Christoph Knöffel gebaut, war es vieles.
Schule, Heilanstalt, Ruhesitz, Wohnsitz, Staatsbesitz, Reservelazarett, Kommandatur, Poststelle und immer eines – unglaublich schön.
1875 wurde es im Stil italienischer Renaissance umgestaltet.
1920 erfolgte die Rebarockisierung und im Jahr 2000 wurde das Schloss denkmalgerecht restauriert.

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Es verfügt über eine wundervolle französische Gartenanlage in der Konzerte und Sommernachtsbälle stattfinden.
Direkt hinter dem Schloss laden terrassenförmig angelegte Sitzflächen, die harmonisch in die Weinberge übergehen, zum Verweilen im Park ein.

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Behagliche Ruhe verströmt das Belvedere.
Ein Belvedere bietet, wie der Name sagt, einen schönen Ausblick,  und von hier oben schaut sich’s gut in’s Tal.
Ich fühle mich sehr wohl an diesem Ort, irgendwie aufgehoben.
Eine Aussicht liegt vor mir, die in jeder Jahreszeit Freude schenkt, ich mag es sehr jetzt im Herbst,  wenn sich die Landschaft in farbigem Leuchten vom Sommer verabschiedet.
In der milden Sonne sitzend, einen Kaffee oder auch ein Glas Wein zum Genießen vor mir, so lässt ’s sich leben.
Heute befindet sich in der historischen Anlage das Staatsweingut Radebeul- Lößnitz.

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800 Jahre alter Weinanbau in Sachsen trifft hier auf eine Kelterei, die sich trotz ihres modernen Neubaus harmonisch einfügt.
Es ist das erste Erlebnisweingut Sachsens.
In Führungen durch Schlossgarten und Kelterei werden schrittweise, angefangen von der richtigen Rebe, über die Kelterart und Reifung,  alle Stufen der Wein- und Sektherstellung erklärt.
Gekostet kann natürlich werden und jetzt, zur Weinlese, wird auch gern bei dieser zugeschaut. Eine Voranmeldung ist günstig, aber nicht zwingend notwendig.

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Hergestellt werden in klassischer Flaschengärung ein ausgezeichneter Sekt und Weißweine, die der kleinen Region durchaus Ehre machen.

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Feinfruchtige, mineralische  Rieslinge und Weißburgunder und ein bemerkenswerter Gewürztraminer wachsen hier.
Als Erbe der Marke Bussard ist Wackerbarth heute die älteste Sektkellerei Sachsens und die zweitälteste Deutschlands. Ein „Dresdner Engel“ macht einem Champagner Konkurrenz.
Hervorheben möchte ich unter den Weinen den Goldriesling, der nur noch im Elbtal angebaut wird. Ein leichter, fruchtiger Wein mit kleiner Säure.
Die Rebe treibt spät im Frühjahr,  was sie vor Frösten schützt und kann zeitig gelesen werden. Ideal also für das bei uns vorherrschende Klima.
Der Goldriesling ist ein jung zu trinkender Sommerwein. Seinen Preis von ca. 10 – 12 Euro pro Flasche ist er wert.
Probiert werden kann er auf den angebotenen Weinführungen oder im zum Weingut gehörendem Restaurant. Ein Laden zum Erwerb all dieser Köstlichkeiten ist vorhanden.
Für alle, denen das ausnehmend schön gelegene Schloss Wackerbarth zu weit entfernt liegt, besteht die Möglichkeit einer Internetbestellung von Wein und Sekt.
Einen Besuch ersetzt diese kaum.

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Glaubt mir. In Vino veritas.

Es war einmal eine alte Geiß, die hatte sieben junge Geißlein…

…und hatte sie so lieb, wie eine Mutter ihre Kinder lieb hat.
Meine Schaukelinhaberin habe ich so lieb, wie eine Großmutter ihr Enkelchen lieb hat und darum gehen wir heute die Ziegen besuchen.
Das Wetter ist herbstgolden,  ich bewundere,  nun neidlos,  die schönen

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Hortensien,  die uns auf unserem Spaziergang begrüßen.

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Die Vorgärten sind liebevoll mit den prächtigen, eigenen Zuchterfolgen geschmückt

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und fast letzte Rosen blühen verschwenderisch schön, als wüssten sie um ihren baldigen Abschied.

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Begeistert begrüßt meine Kleine jedes Tier, doch diese Katze denkt nicht daran ihren Sonnenbadeplatz zu verlassen, nur um sich streicheln zu lassen.

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Die warme Sonne streichelt sie genauso und noch sanfter.
Golden leuchten die ersten gefärbten Blätter,

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golden leuchtet die Schokolade unserer Wegzehrung,

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doch die Augen der Schaukelinhaberin leuchten in einem Glanz, wenn sie ihre Nascherei sieht, der nicht zu beschreiben ist.
Und da sind wir am Ziel,  das Ziegengehege ist in Sicht.

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Direkt am Waldrand ist es gelegen und die Tiere fühlen sich sehr wohl.

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Mir scheint es, als lächle diese freundliche Geiß mich an.

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Sofort glaube ich wieder, dass sie alles tat, um ihre Zicklein vorm bösen Wolf zu beschützen und gebe ihr meinen Keks ab.
Ein Stück weiter zeigt sich noch einmal, wie schön meine Heimat ist.

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Langsam wird es Zeit für den Heimweg.
Ein kleiner Abstecher noch am Fenster meiner Frau Mutter vorbei. Fast könnte man meinen, sie hätte einen kleinen Bauchladen mit , je nach Jahreszeit, kalten oder heißen Getränken, die sie an bedürftige, zur Familie gehörende Vorbeispazierende, austeilt.

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Ein Glück sie in unserer Nähe zu haben.
Wir sind bald wieder zu Hause und freuen uns auf unser Mittagessen und den anschließenden Schlaf.
Frische Luft macht hungrig, müde und glücklich.
Zum Einschlafen erzähle ich meiner Schaukelinhaberin das Märchen von den 7 Geißlein, das ihr unten nachlesen könnt, wenn es euch entfallen ist.
Was ich nicht glaube, wer vergisst schon das Schönste aus seiner Kindheit.

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Time Machine oder Meine Bibliothek

Gehe ich heute in den Wald oder in die Bibliothek?
Beides und das auch noch gleichzeitig.
In meiner Bibliothek fühle ich mich immer wie in einer Zeitmaschine .
Je nachdem zu welchem Buch ich greife, aufschlagen und los. ..in eine andere Zeit.
Vorwärts, rückwärts, Gegenwart; alles liegt wohlgeordnet vor mir.

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Dies findet sich in jeder dieser nützlichen Einrichtungen.
Meine Bibliothek bietet noch eine ganz besondere Zeitreise.
In unserem Kulturkaufhaus, der Name kommt von dem architektonisch schönen Gebäude, welches früher ein Kaufhaus war, befinden sich die Volkshochschule, die Bibliothek und einige Ladengeschäfte.

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Im Foyer , bestens präsentiert, steht eine Attraktion, der Versteinerte Wald der Stadt Chemnitz.

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Damit besitzen wir ein prähistorisches Fossil von Seltenheit.
1737 gefunden, wurden 1751 vom Edelsteininspektor David Frenzel Schmucksteine daraus hergestellt.(Solche können auch heute noch gekauft werden.)
Der Finder, der Bauunternehmer Güldner, sorgte für den Erhalt und vermachte die versteinerten Bäume dem König-Albert-Museum. Dessen Direktor Johann Traugott Sterzel übernahm deren Untersuchung .

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In der unteren Perm, vor circa 291 Millionen Jahren wuchsen hier wo ich heute lebe, Baumfarne und riesenwüchsige Schachtelhalmpflanzen.
Ein Vulkanausbruch sorgte für ihre Fossilisation und machte sie bis in die heutige Zeit haltbar.

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Die Baumstämme wurden durch den Druck beim Ausbruch geknickt und dann mit zwischen 80 und 100 Grad heißem Auswurfmaterial bedeckt.
Die darin enthaltene Kieselsäure sorgte für die Fossilisation.
Einzeln gefundene Stämme fossilen Holzes bezeichnet man als Dendrolith.

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Finden sich mehrere solcher Stämme hat man, genau wie heute, einen Wald, ganz speziell einen Versteinerten Wald.
Die durch Kieselsäure verschlossene Poren der Pflanzen lassen keine Luft mehr an das Material und so ersetzt sich nach und nach das organische Holz durch anorganische Mineralien.

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Struktur und Form der Bäume bleiben dabei erhalten.
Das wichtigste Mineral dabei ist Siliziumdioxid.
Bei hohem Eisengehalt schimmert das versteinerte Holz dann in Rot, gelb und braun.
Kobalt und Chrom sorgen für blaue und grüne Farben.
Zu DDR Zeiten stand der Versteinerte Wald für alle sichtbar im Freien vorm Karl-Marx-Städter Kunstmuseum.
Nun kann man ihn, immer noch kostenlos, im“ DasTietz „bewundern. Hier steht er sicher vor Umwelteinflüssen.

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„DasTietz“ hat eine unsichere Zukunft.
Die Kulturmittel der Stadt werden gekürzt.
Ich hoffe, den Versteinerten Wald auch weiterhin direkt und nicht nur in Büchern bewundern zu können.
Mit meiner Zeitmaschine bin ich wieder hart in der Gegenwart gelandet.
Ich lebe trotzdem gern in dieser, meiner Zeit; mit meiner Familie, Büchern, meinem Garten,Wäldern und Fossilien.