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Nachmittags…im Bus…

Momentan ist mir nicht nach Eis. Das kommt zwar selten vor, aber es kommt vor.
Das hat auch nichts damit zu tun, dass es weiter unten gleich eisig werden wird.
Momentan zieht es mich nach der Arbeit nicht mehr zum Stadtbummel, ich will nur eins, ich will heim.
In meinen nebligen Garten, zu meiner kuscheligen Sofaecke neben dem Kamin, in meine mir Entspannung schenkende Badewanne, zu einer Tasse Earl Grey.
Davon träume ich die ganze Busfahrt über und habe dementsprechend ein freundliches Grinsen im Gesicht.
In der vergangenen Woche ist mir dieses vergangen.
Aus dem Busfenster schauend, sehe ich ein größeres Polizeiauto, umstanden von ungefähr acht bis zehn Polizisten. Zwei davon drehten gerade einem jungen Mann, deutlich als Ausländer zu erkennen, die Arme auf den Rücken. Das Ganze wirkte selbst aus dem vorbeifahrenden Bus gewalttätig.
Dazu muss ich erzählen, in Chemnitz befindet sich in einer (ehemals) stillen Vorstadtstraße ein Asylbewerberheim.
Dessen Kapazität beträgt 520 Plätze. Das Heim ist mit 674 Personen belegt, 79 Plätze davon befinden sich in Außencontainern.
Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder der verschiedensten Nationen haben dort ihren ersten Anlaufplatz.
In Chemnitz herrscht deswegen langsam sich steigernde Aufruhr.
Nun ist es nicht leicht der Sache  gerecht zu werden.
Die verschiedenen Nationen die im Heim Unterschlupf finden müssen, verstehen sich auf großem Raum nicht.
Die beengten Verhältnisse verbessern dies keinesfalls, oft kommt es zu gefährlichen Streiterein, die schnell in Messerstecherein mit Verletzten übergehen.
Die Polizei ist im Heim oft Gast mit Einsatzwagen.
Der Nacht – und Wochenendruhe der anliegenden Bewohner schmucker Einfamilienhäuser kommt das nicht entgegen.
Zusätzlich finden regelmässig an den Wochenenden lautstark Protestdemonstrationen gegen das Ausländerheim statt.
Die ersten Häuser stehen zum Verkauf.
Wie jedoch kann ein Miteinander überhaupt gelingen, wenn die Polizei selbst mit solchen Mitteln wie oben von mir geschildert vorgeht?
Sicher war die Festnahme gerechtfertigt.
Aber heiligt der Zweck die Mittel ?
Unter den Asylbewerbern gibt es, wie unter der allgemeinen Bevölkerung von Chemnitz, schwarze Schafe,  die u.a. mit Drogen handeln.
Denen, egal welcher Herkunft, gehört gehörig auf die Finger geklopft.
Dies jedoch nicht im wortwörtlichen Sinne.
Für mich war diese Szene von Gewalt ein erschreckendes Erlebnis.
Gelegentlich fahre ich morgens mit dem Zug in die Stadt,  die Bahnstrecke führt am Fluß entlang, ich genieße so die Fahrt zur Arbeit wie eine kleine Urlaubsreise.
Vom Haltepunkt der Bahn laufe ich dann ein kleines Stück zur Bushaltestelle, die in der Nähe des Asylantenheimes liegt.
Oft werde ich von Neuankommenden nach dem Weg dahin gefragt.
In gebrochenem Deutsch, aber verständlich, mit Hoffnung im Blick. Wenn ich eine so fremde Sprache so gut sprechen könnte, wäre ich stolz auf mich.
Ich kann es leider nicht.
Was ich kann ist den Weg weisen und ich kann sagen, willkommen in Deutschland.
Lass es uns zur Heimat werden, zu deiner und meiner.
Den übereifrigen Polizisten hätte ich das auch gern gesagt.

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